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"Tampere 1965" - Eine Reise in die Vergangenheit

Spurensuche in Finnland

Klaus Hirche sitzt auf der „Strafbank“ in der großen Eishalle in Tampere und atmete förmlich die Atmosphäre ein. Dorthin in die drittgrößte finnischen Stadt, etwa 160 Kilometer nördlich von Helsinki gelegen, hat er sich mit seinen Mitstreitern, mit denen er zusammen im letzten Jahr das Buch über die Geschichte des Eishockeys in Weißwasser geschrieben hatte, auf Spurensuche begeben. In der „Tampereen Jäähalli“, wie das imposante Bauwerk von den Finnen genannt wird, fand 1965 die Eishockey-Weltmeisterschaft statt. Im selben Jahr eröffnet, ist die Halle inzwischen die älteste Eishalle in Finnland.
Klaus Hirche kann sich noch sehr gut erinnern. „Wir waren damals gerade mit Dynamo Weißwasser zum 15. Mal DDR-Meister geworden und mit elf Spielern stellten wir auch das Gros der Auswahl bei der Weltmeisterschaft in Finnland.“ Es war die Zeit, als sich die DDR-Eishockeynationalmannschaft im Konzert der Großen etablierte und Stammgast bei der A-Weltmeisterschaft wurde. „Die verpasste Olympiateilnahme ein Jahr zuvor, war für uns Motivation genug, um bei dieser WM dennoch unsere sportlichen Fortschritte auf dem Eis nachzuweisen.“ Wenn Klaus Hirche darüber spricht, merkt man dem inzwischen 78-jährigen ehemaligen Torhüter noch immer die Begeisterung für das Eishockey an und hat keineswegs den Eindruck, dass das Championat von Tampere bereits 53 Jahre zurückliegt. Er und seine Begleiter erforschen jeden Winkel der großen Halle und haben Glück. Finnlands Eishockey-Elite von einst trifft sich an diesem Wochenende zum großen Traditionsturnier. Viele ehemalige Auswahlspieler liefern sich rassige Duelle auf dem Eis. Klaus Hirche verfolgt das Geschehen gebannt auf der Tribüne, den einen oder anderen Spieler kennt er noch von früher. Auch mit einigen Zuschauern kommt er zügig ins Gespräch. Einer von ihnen erkennt und spricht ihn an. Schnell stellt sich heraus, dass der finnische Eishockey-Enthusiast 1965 als Jugendlicher die Spiele live in der Halle verfolgte. Auf die schmerzhafte Niederlage seiner Landsleute im letzten Turnierspiel gegen die DDR mit Ziesche, Buder und Co. wollte er nur ungern angesprochen werden, wenngleich er seinen Respekt gegenüber den „Ostdeutschen“ nicht verhehlen konnte. In diesem Zusammenhang erinnert sich Klaus Hirche an die Vorgeschichte dieses Spiels. „Ein uns vertrauter Freund, der bei Tappara Tampere Eishockey spielte, lud unsere Mannschaft am spielfreien Tag vor der letzten WM-Partie der DDR-Auswahl zu einem Saunabesuch in die Jagdhütte seines gutbetuchten Onkels, einem Busunternehmers ein. Die Brisanz dieser "Einladung" lag darin, dass am darauffolgenden Tag Finnland unser Gegner war!!! Die Gastgeber waren klarer Favorit gegen uns. Keiner wusste, was Trainer und Mannschaftsleitung dazu bewogen hatte, diese Einladung so kurz vor diesem wichtigen Spiel anzunehmen. Immerhin stand bei einem Sieg über die Finnen noch das Erreichen von Platz fünf in Aussicht. Die Anlage war beeindruckend. Die Sauna bot Platz ca. 20 Personen, dazu ein modern eingerichteter Ruheraum mit Kamin und Bratwürsten im Endlosdarm sowie zahlreichen Kühltruhen. Diese waren gefüllt mit reichlichen Getränken. Darunter auch viele alkoholische, die wir nicht mal alle vom Namen her kannten, geschweige denn wussten, wie sie schmecken. Neben mehreren Saunagängen und Abkühlungen im Schnee oder Eisloch ließen wir uns jedenfalls die selbstgebratenen Würste und vorhandenen Getränke ordentlich schmecken. Der Versuchung, auch mal von einigen noch unbekannten, hochprozentigen Getränken zu probieren, konnten einige nach dem anstrengenden Turnier verständlicherweise nicht wiederstehen. Dem damaligen Trainer Rudi Schmieder blieb das natürlich nicht verborgen. Zum Glück verlief die Partie am Folgetag erfolgreich. Danach hatte es nach dem stürmischem Beginn der Finnen und deren schneller 2:0 Führung erst gar nicht ausgesehen. Doch nach großem Kampf konnte unsere Mannschaft durch Tore von Helmut Novy und Bernd Poindl aus Weißwasser sowie in der Schlussminute vom Berliner Joachim Ziesche das Spiel noch mit 3:2 gewinnen.“ Zurück in der Gegenwart. Hirche und seine Begleiter schießen viele Fotos mit ihrer Kamera. Es ist gerade Drittelpause und der ehemalige Weißwasseraner Torwart, den viele nur unter dem Namen „schwarze Maske“ aus der Vergangenheit kennen, hat den Plan, noch einmal auf historischem Eis zu stehen. Ein kurzes Gespräch mit dem Kampfgericht und schon steht Hirche zwischen dem Pfosten und genießt den Augenblick. „Mit dem Sieg gegen die Gastgeber haben wir damals einen tollen fünften Platz bei der Eishockey-WM gesichert. Es war eine Zeit voller Euphorie und Optimismus für diese wunderbare Sportart.“, so Hirche. Dass die DDR-Funktionäre fünf Jahre später die Förderung des Eishockeys auf ein Minimum reduzierten und sich auf zwei Leistungszentren (Berlin und Weißwasser) beschränkten, daran war in den Märztagen 1965 in Tampere nicht im Entferntesten zu denken. Finnland und Tampere hinterlassen bei der Reisegruppe aus der Lausitz viele Eindrücke. Auch der Besuch des „Finnischen Eishockey-Museum“ im Zentrum von Tampere weckt bei Klaus Hirche viele Erinnerungen. In der „Hall of Fame“ des finnischen Eishockeys findet sich auch Ex-Füchse-Trainer Hannu Järvenpää wieder. Einen Tag später geht’s nach Helsinki. Auch hier steht die große Eishalle offen. Und auch hier kann sich Hirche noch sehr gut erinnern. „1974 war ich zusammen mit Joachim Ziesche als Trainer der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hier in Helsinki. Leider hatten wir im Turnierverlauf Pech. Der eigentliche A-Gruppen-Absteiger Polen bekam am grünen Tisch zwei Punkte zugesprochen, da ein schwedischer Spieler des Dopings überführt wurde. Das hatte zur Folge, dass die Polen in der Tabelle noch an uns vorbeizogen. Das war damals sehr bitter.“ Klaus Hirche könnte noch vieles andere berichten. Vieles steht im Buch „Vom Braunsteich in die Eisarena“, andere Dinge bewahrt der immer noch rüstige Rentner in seinem privaten Archiv auf. „Vielleicht ergibt sich nochmal die Gelegenheit, dass ein oder andere der Öffentlichkeit zu präsentieren“, lässt Hirche mit Blick auf die Zukunft offen. In Tampere haben seine Freund und er jedenfalls ganz tief in der Eishockey-Vergangenheit gekramt. Im Übrigen wird die dortige Halle voraussichtlich 2022 einer hochmodernen Eis-Arena weichen.

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